Leitbild des Gymnasiums Rahden

Vorwort

Das Gymnasium der Stadt Rahden ist eine junge Schule, die 1995 gegründet wurde. Diese Situation ermöglicht es Lehrerinnen und Lehrern, Eltern, Schülerinnen und Schülern, den Charakter ihrer Schule in besonderem Maße mitzuprägen und bietet ihnen vielfältige Chancen, Einfluss zu nehmen und das Leben an ihrer Schule mitzugestalten. Dieser Anspruch bedingt die Flexibilität unseres Schulprogramms, da wir dieses zusammen mit den künftig hinzukommenden Mitgliedern unserer Schulgemeinschaft kontinuierlich weiterentwickeln wollen.

Das Gymnasium Rahden hat es sich zur Aufgabe gemacht, seine Schülerinnen und Schüler ganzheitlich zu fördern. So besteht eine wesentliche Zielsetzung darin, dass neben kognitiven Fähigkeiten auch soziale Kompetenzen entwickelt werden und dass die Schülerinnen und Schüler Lernerfahrungen machen können, bei denen Körper und Sinne einbezogen werden.

Fördern bedeutet für uns aber auch fordern. Von den Schülerinnen und Schülern werden daher Aufgeschlossenheit, Leistungsbereitschaft und Ausdauer erwartet.

Unsere Schule muss und will bewusst auch Erziehungsaufgaben wahrnehmen; dies geschieht in enger Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrerinnen und Lehrern. Diese Erziehung soll sich an grundlegenden menschlichen Werten wie Dialogbereitschaft sowie Achtung und Verantwortung für sich selbst, den anderen und der Umwelt gegenüber orientieren. Im Schulalltag nehmen wir einander ernst und halten Regelungen und Vereinbarungen zuverlässig ein.

Als Schule im ländlichen Raum mit einem großen Einzugsbereich wollen wir ein breites Bildungsangebot bieten, welches den Schülerinnen und Schülern individuelle Schwerpunktsetzungen entsprechend ihren besonderen Interessen ermöglicht. In folgenden Bereichen können durch umfangreiche Angebote im Wahlpflichtbereich und bei Leistungskursen persönlichen Neigungen und Talente besonders gefördert werden:

Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Lateinisch, Russisch, Spanisch

Gesellschaftswissenschaften: Erdkunde, Geschichte, Sozialwissenschaften, Religion, Philosophie

MINT: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften wie Biologie, Chemie, Physik

Künstlerisch-musischer Bereich: Kunst, Musik

Sport.

Bildung bedeutet für uns auch, dass wir das kulturelle Leben in der Region bereichern wollen.

Das Gymnasium Rahden soll ein Ort sein, an dem sich alle am Schulleben Beteiligten wohlfühlen und die Möglichkeit haben, sein Erscheinungsbild und seine Atmosphäre mitzuprägen.

Unsere Leitgedanken

1. Entwicklung kognitiver Fähigkeiten

Entsprechend dem Auftrag der Schulform Gymnasium werden die Schülerinnen und Schüler an wissenschaftliches Denken und Arbeiten herangeführt. Dazu legen die Fachkonferenzen auf der Grundlage der Richtlinien und Lehrpläne schulinterne Curricula fest und treffen Vereinbarungen zur Leistungsüberprüfung.

Die Schülerinnen und Schüler erfahren in unserer Schule die grundsätzliche Gleichwertigkeit der Fächer, die in entsprechenden fachspezifischen Ansprüchen verdeutlicht wird.

Wir legen Wert auf die Vermittlung von komplexeren Zusammenhängen und treffen daher für die einzelnen Jahrgangsstufen Vereinbarungen, welche Themen fächerübergreifend bearbeitet werden sollen. Fächerübergreifende Angebote finden sich darüber hinaus im Wahlpflichtunterricht – derzeit: Vom Anderssein und Gegen-den-Strom-Schwimmen (Geschichte/Religion/Politik/ Kunst), Umwelt und Gesundheit (Biologie/Chemie/Physik/Erdkunde/Sport) und MAPHIN (Mathematik/Physik/Informatik).

Wir wollen im Unterricht in allen Fächern die Denkfähigkeit der Schülerinnen und Schüler fördern, indem wir ihnen durch entsprechende offene Aufgabenstellungen die Möglichkeit geben, ihr Wissen zur Lösung immer komplexer werdender Fragestellungen zu nutzen und zu erweitern.

Der Umgang mit Sprache nimmt am Gymnasium eine Schlüsselstellung ein, da Beschreiben, Erläutern, Begründen und Argumentieren durchgängig zum methodischen Handwerkszeug gehören. In allen Fächern sollen die Schülerinnen und Schüler daher zu einem bewussten und kompetenten Gebrauch der deutschen Sprache befähigt werden. Ebenso wichtig ist uns die sichere und der jeweiligen Situation angemessene Verwendung von Fach- und Fremdsprachen.

Im Rahmen solider fachbezogener Wissensvermittlung legen wir in allen Fächern besonderen Wert darauf, dass die Schülerinnen und Schüler befähigt werden, sich selbstständig neues Wissen anzueignen (siehe: Erziehung zur Selbstständigkeit).

2. Entwicklung sozialer Kompetenzen

An unserer Schule legen wir großen Wert auf ein gutes Miteinander. Zwischen allen Mitgliedern unserer Schule soll ein höflicher und sachlicher Umgang gepflegt werden, getragen von gegenseitiger Achtung und Gesprächsbereitschaft.

Unsere Schülerinnen und Schüler sollen insbesondere lernen, anderen zuzuhören, aufeinander einzugehen, einander zu akzeptieren und damit auch konfliktfähig zu werden.

Diese Gruppenfähigkeit einerseits und die Ich-Stärkung andererseits sind notwendige Voraussetzungen für eine entspannte Lernatmosphäre, ein angenehmes Schulklima sowie für eine erfolgreiche Schul- und Berufslaufbahn. Zur Erreichung dieser Ziele haben wir bislang folgende Vereinbarungen getroffen:

Während der ersten Tage an unserer Schule finden für die Fünftklässler Projekttage zum „Sozialen Lernen“ statt, die während der Jahrgangsstufe 5 in einer Unterrichtsstunde pro Woche durch den Klassenlehrer bzw. die Klassenlehrerin fortgeführt werden.

In der Jahrgangsstufe 6 wird das soziale Lernen in den ersten Unterrichtswochen und in Form von Projekttagen fortgeführt.

„Soziales Lernen“ ist für uns darüber hinaus durchgängiges Unterrichtsprinzip. Dies äußert sich z. B. in der gemeinsamen Erarbeitung und Beachtung von Klassenregeln, der Wahrnehmung von Aufgaben im Klassen- und Schulbereich durch die Schülerinnen und Schüler sowie in der Einübung von Arbeits- und Gesprächsformen, die die Argumentations- und Konsensfähigkeit fördern.

„Soziales Lernen“ wird thematisch in den geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen Unterricht eingebunden: Dabei sollen die Schülerinnen und Schüler Verständnis für das Anderssein von Mitmenschen, für andere Religionen, Traditionen und Kulturen erwerben, und sie sollen Verständnis und Verantwortungsbewusstsein für soziale Probleme in ihrer Umgebung entwickeln.

Zur Förderung einer guten Klassen- und Schulgemeinschaft werden gemeinsame Unternehmungen wie Klassenfahrten, Exkursionen und Sportveranstaltungen durchgeführt. Die Klassenfahrten in der Sekundarstufe I haben dabei einen ausdrücklichen Schwerpunkt im Bereich des „Sozialen Lernens“, d. h., die gemeinsame Bewältigung von Aufgaben-stellungen durch die Klassengemeinschaft steht im Vordergrund.

Wir wollen weitere Konzepte entwickeln, die der Persönlichkeitsentwicklung und Suchtprävention dienen.

Im Bereich des außerunterrichtlichen Angebots unserer Schule werden vielfältige Gelegenheiten geboten, gemeinsam Theater zu spielen, zu musizieren, Sport zu treiben oder sich in anderen Bereichen zu engagieren; diese jahrgangsübergreifenden Arbeitsgemeinschaften bieten den Schülerinnen und Schülern gleichzeitig verschiedenartige Selbsterfahrungsmöglichkeiten und fördern somit die Entwicklung ihrer Persönlichkeit.

3. Möglichkeiten sinnlicher und körperlicher Erfahrungen

Die Schülerinnen und Schüler finden in unserer Schule im Sinne einer ganzheitlichen Entwicklung ihrer Persönlichkeit vielfältige Möglichkeiten vor, mit allen Sinnen zu lernen, ihren Bewegungsbedürfnissen nachzukommen und dabei den eigenen Körper bewusst wahrzunehmen.

Für den Unterricht bedeutet dies, dass wir in allen Fächern die Prinzipien der Anschaulichkeit und Handlungsorientierung berücksichtigen, indem wir z. B. vielfältige Materialien einbe-ziehen und Formen bildhaften Gestaltens einüben sowie kreative Unterrichtsmethoden einsetzen.

In den Jahrgangsstufen 5 und 6 wird das Projekt „Klassenmusizieren mit Blasinstrumenten“ angeboten. Innerhalb dieser Zeit erlernen die Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Musikunterrichts die Grundlagen des Instrumentalspiels.

Über den Unterricht hinaus deckt ein breites Angebot in den Arbeitsgemeinschaften unterschiedlichste Erfahrungsmöglichkeiten insbesondere in den Bereichen Sport, Musik und Theater ab. Wir wollen erreichen, dass möglichst viele Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit erhalten, sich im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen und Wettbewerbe zu erproben.

Was unser Schulgebäude und Schulgelände betrifft, so wollen wir beides attraktiver gestalten.

4. Erziehung zu Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit

Die Schülerinnen und Schüler unserer Schule sollen zur Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit erzogen werden. Dies bedeutet zum einen die Vermittlung von Lern- und Arbeitstechniken, die ein selbstgesteuertes Arbeiten ermöglichen, zum anderen ein Bewusstmachen und Einfordern der mit zunehmender Selbstständigkeit einhergehenden Verantwortung der Schülerinnen und Schüler für ihr Handeln.

Um das selbstständige Arbeiten zu fördern, haben wir für die Sekundarstufe I ein Curriculum „Lernen lernen“ entwickelt. Hier geht es zunächst um das Kennenlernen effektiver Lernmethoden und verschiedener Formen der Arbeitsorganisation, im Weiteren um die Einübung wissenschaftlicher Methoden. Diese Vorbereitung auf das wissenschaftspropädeutische Arbeiten wird in der Einführungsphase im Rahmen von Projekttagen zur „Methodenschulung“ weitergeführt.

Die Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit der Schülerinnen und Schüler für ihren Lernprozess wird außerdem in offeneren Unterrichtsphasen gefördert (z. B. in Gruppen- und Projektarbeit) und sie spiegelt sich in der zunehmenden Beteiligung der Schülerinnen und Schüler an der Festlegung der Unterrichtsinhalte wider. Auch über den Unterricht hinaus fördern wir die Übernahme von Verantwortung durch die Schülerinnen und Schüler im Rahmen der Mitsprache- und Mitentscheidungsrechte nach dem Schulmitwirkungsgesetz. Wir achten gleichermaßen auf eine zuverlässige Wahrnehmung von Verpflichtungen.

Auch die Übernahme von Verantwortung für unsere nähere und weitere Umwelt wird im Schulalltag konsequent eingeübt und eingefordert.

Dies umfasst beispielsweise das Vermeiden von Müll, die Mülltrennung, das Sauberhalten des Schulgebäudes und des Schulgeländes, die Pflege des Biotops sowie die Betreuung einer Photovoltaikanlage. Durch die Bewerbung unserer Schule um den Titel „Agenda 21 in der Schule – Schule der Zukunft“ lassen wir das Erreichen der selbst gesteckten Ziele regelmäßig mit externer Hilfe überprüfen.

5. Entwicklung von Medienkompetenz

Die Schülerinnen und Schüler unserer Schule sollen an die verschiedenen Medien herangeführt und zum kritischen Umgang mit ihnen erzogen werden.

Sie lernen, Recherchen im und für den Unterricht zielgerichtet durchzuführen – hier kommen auch Computer und Internet zum Einsatz. Die neuen Medien sollen von den Schülerinnen und Schülern genauso selbstverständlich genutzt werden können wie Bücher, Zeitungen oder das Fernsehen. Im Vordergrund der schulischen Arbeit steht aber die Befähigung der Schülerinnen und Schüler zur sinnvollen Auswahl von Informationen, zu ihrer kritischen Bewertung und weiteren Verarbeitung – Denkarbeit, die der Computer ihnen nicht abnehmen kann.

Im Unterricht der geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen Fächer sollen die Schülerinnen und Schüler befähigt werden, die Medien in Bezug auf Informations- und Unterhaltungswert, Wirkungsweisen, Zielgruppen, Marktinteressen sowie das vermittelte Menschenbild kritisch zu hinterfragen.

6. Studien- und Berufswahlvorbereitung

Unsere Schülerinnen und Schüler sollen frühzeitig praktische Erfahrungen mit der Arbeitswelt machen, unabhängig davon, ob sie ein Studium anstreben oder unmittelbar ins Berufsleben eintreten wollen. Dazu werden in der Jahrgangsstufe 8 eine Stärken-/Schwächenanalyse und daran anschließende Tagespraktika durchgeführt. In der Jahrgangsstufe 9 und in der Einführungsphase finden zweiwöchige Berufspraktika statt, wobei das Praktikum in der Jahrgangsstufe 9 vor allem allgemeine Einsichten und Erfahrungen im Bereich Arbeits- und Berufswelt vermitteln soll, während das Praktikum in der Einführungsphase auch der konkreten Studien- und Berufsorientierung dient.

Die Praktika werden intensiv vor- und nachbereitet. Hinzu kommt die Vorbereitung auf das Verfassen von Bewerbungsschreiben und auf Vorstellungsgespräche, die mit externer Unterstützung praxisnah gestaltet wird.

Weitere Elemente der Studien- und Berufswahlvorbereitung sind u. a. Universitätsbesuche, Gespräche mit Vertretern der Wirtschaft, der Bundesagentur für Arbeit und mit Eltern, die Einblicke in ihre Berufswelt geben. Durch alle diese Maßnahmen soll die Entscheidungskompetenz der Schülerinnen und Schüler bezüglich ihrer weiteren Lebensplanung nach dem Abitur gestärkt werden.

7. Weltoffenheit und Weltverantwortung

Es ist uns wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler unserer Schule andere Kulturen im Unterricht kennenlernen und dabei Verständnis und Akzeptanz für die geographische, kulturelle und religiöse Prägung von Menschen entwickeln. Diese Erfahrung sollen sie als Chance für eine weltoffene Grundhaltung begreifen. Ziel ist aber nicht nur eine Bewusstseinsänderung, sondern auch eine Änderung des Verhaltens, die sich z. B. in veränderten Konsumgewohnheiten (TransFair-Handel) äußert. Daneben sollen auch Vorurteile, Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit im eigenen Land thematisiert werden; dazu binden wir geeignete Veranstaltungen außerhalb des Unterrichts ein. Wir führen Exkursionen und Studienfahrten durch und bemühen uns um den Aufbau von Schulpartnerschaften – eine Partnerschaft mit der Puschkin-Schule in Jaroslawl / Russland besteht seit dem Sommer 2003. Seit dem vorigen Schuljahr unterhalten wir auch eine Partnerschaft mit dem Lycée Condorcet in Limay in der Nähe von Paris. Auch die Teilnahme von Schülerinnen und Schülern an individuellen Schüleraustauschmaßnahmen mit Auslandsaufenthalten und der entsprechenden Teilnahme ausländischer Gastschülerinnen und -schüler am Unterricht unserer Schule unterstützen wir ausdrücklich. Darüber hinaus besteht für Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 9 die Möglichkeit, an einem einwöchigen „Educational Stay“ (Familienaufenthalt mit landeskundlichem Programm) in Südengland teilzunehmen.

8. Öffnung nach außen

Unsere Schülerinnen und Schüler sollen ihre Schule als „offenen Lernort“ erfahren. Dies bedeutet, dass die Schule mit anderen Einrichtungen der Stadt und der Region zusammenarbeitet, wo immer dies möglich und sinnvoll ist.

Das beginnt bei der guten Zusammenarbeit mit den benachbarten weiterführenden Schulen im Schulzentrum, die sich in der gemeinsamen Durchführung von Veranstaltungen zeigt (Sportfeste, Theateraufführungen, Schulfeste), aber auch in der abgestimmten Reaktion auf Konflikte zwischen Schülerinnen und Schülern der einzelnen Schulen.

„Öffnung nach außen“ bedeutet aber auch die Einbindung von externen Experten in die Schule (z. B. Mitarbeiter des Kommissariats Vorbeugung, eine Medienpädagogin, Musikschullehrer für den Unterricht in der „Bläserklasse“ oder Experten im Bereich der Berufswahlvorbereitung) und das Aufsuchen außerschulischer Lernorte sowie die Teilnahme an überregionalen Wettbewerben.

Weiterhin umfasst „Öffnung nach außen“ die Dokumentation unserer Arbeit in der Öffentlichkeit durch Homepage, Schriften, Presseinformationen, Ausstellungen, Veranstaltungen, Tage der offenen Tür. Hier versteht sich unsere Schule auch als kulturelles Forum, indem sie mit Theater- und Musikveranstaltungen das bisherige Angebot in der Region bereichert.

Schule als „offener Lernort“ bedeutet für uns aber auch Offenheit gegenüber allen am Schulleben beteiligten Gruppen. Unser Anliegen ist es, Kritik, Anregungen, Initiativen und Hilfsangebote aller am Schulleben Beteiligten ernst zu nehmen und die Lösung von Problemen gemeinsam anzugehen.